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29 Februar 2012

Multilinguale Zukunft: Forschungsinstitut für Mehrsprachigkeit in Potsdam gegründet

Harald Clahsen, einer der international angesehensten deutschen Linguisten, ist erster Leiter des neu gegründeten „Potsdam Research Institute for Multilingulism“ (PRIM). Clahsen zählt zu den führenden Forschern auf den Gebieten Spracherwerb, Sprachverarbeitung sowie Sprachstörungen. Im vergangenen Jahr wurde er mit der Alexander von Humboldt-Professur ausgezeichnet. Die Wissenschaftler des PRIM beschäftigen sich fortan mit mehrsprachigen Kindern und Erwachsenen. Zusätzlich zur Grundlagenforschung beraten die Wissenschaftler Personen, die mit Mehrsprachigkeit konfrontiert sind. Dazu gehören Lehrer und Erzieher sowie Eltern, die ihre Kinder mehrsprachig erziehen.


Hörtipp: Mit Social Media Sprachen vor dem Aussterben retten

Facebook, YouTube und sogar SMS sollen die Rettung für weltweit bedrohte Sprachen sein, glauben einige Sprachwissenschaftler. Von den etwa 7.000 Sprachen weltweit wird erwartet, dass die Hälfte bis zum Ende des Jahrhunderts ausgestorben ist. Zumeist wird die Globalisierung dafür verantwortlich gemacht. Doch mit Hilfe von Social Media und Smartphone Apps soll dem Verschwinden entgegen gewirkt werden, so K. David Harrison, außerordentlicher Professor für Linguistik am Swarthmore College, UK. Harrison berichtet, dass eine Sprache, welche nur von fünf oder 50 Menschen in einem entfernten Ort gesprochen wird, durch die digitale Technologie eine globale Stimme und ein weltweites Publikum erreicht – dank der Globalisierung.

Mehr von Harrison und die Rolle technischer Tools bei der Sprachrettung unter: www.bbc.co.uk/news/science-environment-17081573

20 Dezember 2011

Irland: EU-Bildungsprogramm für lebenslanges Lernen ein voller Erfolg

ERASMUS, LEONARDO DA VINCI, COMENIUS oder GRUNDTVIG: Diese Kampagnen bilden gemeinsam das EU-Programm für lebenslanges Lernen. Doch wie wirksam sind EU-Bildungskampagnen wirklich? Zumindest für Irland konnte diese Frage wissenschaftlich geklärt werden. Im Auftrag von Léargas, der Nationalen Agentur für EU-Programme in Irland, untersuchten Wissenschaftler, welchen Einfluss das EU-Programm für lebenslanges Lernen zwischen 2007 und 2009 auf die Mobilität zu Lernzwecken von Iren gezeigt hat.

Die Experten kommen in der Studie "Making a Difference – A Study of the Impact of Learning Mobility under the Lifelong Learning Programme in Ireland 2007-2009”, zu dem Ergebnis, dass das EU-Programm für lebenslanges Lernen sich in Irland positiv auf die allgemeine und berufliche Bildung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ausgewirkt hat und somit – neben den nationalen Bildungskampagnen – ein wichtiger Bestandteil der irischen Bildungslandschaft darstellt.

Die Studie ist online abrufbar unter: www.leargas.ie

Mehr Informationen zum EU-Programm für lebenslanges Lernen unter: www.lebenslanges-lernen.eu

24 November 2011

busuu.com als bestes Start-up im Bereich Bildung ausgezeichnet

busuu.com, eine Online-Community zum Sprachenlernen, hat bei den Europäischen Tech Start-up Awards „The Europas“ den Preis für das beste Start-up in der Kategorie „Best Education, Recruitment, Media Start-up“ erhalten. Der alljährlich stattfindende Wettbewerb „The Europas“ wird von TechCrunch, dem Blog über IT und Web-2.0-Unternehmen, ausgerichtet. Mehr als 400 Unternehmen beteiligten sich an dem Wettbewerb. Die Gewinner wurden mithilfe von rund 40.000 Online-Votings und einer 22-köpfigen Expertenjury ermittelt.

busuu.com beschreibt sich selbst als weltweit aktivste Online-Community zum Thema Sprachenlernen mit über fünf Millionen registrierten Nutzern. Die Benutzer erhalten kostenlosen Zugang zu audiovisuellen Online-Kursen in neun verschiedenen Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch, Türkisch). Neben den individuellen Kursen verbessern die User ihre Sprachkenntnisse im direkten Dialog mit anderen Community Mitgliedern. Mit einer integrierten Video-Chat-Applikation und durch gegenseitige Text Korrekturen werden die erworbenen Sprachkenntnisse mit anderen Benutzern praktisch verbessert. Jeder Benutzer ist nicht nur „Schüler“ einer Fremdsprache sondern gleichzeitig auch „Tutor“ seiner eigenen Muttersprache.

Das Start-Up wurde Anfang 2008 gegründet. Im gleichen Jahr war busuu.com ein Partnerprojekt der UNESCO im internationalen Jahr der Sprachen. Die Plattform gewann den unter anderem den silbernen Löwen auf dem internationalen Marketingfestival in Cannes sowie das Europäische Sprachensiegel der Europäischen Kommission. Der Name der Website kommt von der vom Aussterben bedrohten Sprache Busuu aus Kamerun.


21 November 2011

Lesetipp: Schüler und Fremdsprachen in Großbritannien

Fremdsprachen sind gut fürs Business. Das belegen verschiedenste Studien. Doch wie sieht es mit der Motivation bei den zukünftigen Arbeitnehmern aus - den Schülern - eine neue Sprache zu lernen oder bereits erworbene Sprachkenntnisse zu vertiefen? In Großbritannien entscheiden sich einige Schüler gegen Deutsch oder Spanisch als Fremdsprache in der Schule. Sie sehen darin keinen Nutzen für ihr späteres berufliches oder privates Leben. Hier sind die Lehrer gefragt, den Schülern nicht allein Vokabeln und Grammatik zu vermitteln, sondern ihnen ebenso aufzuzeigen, wie Fremdsprachen Türen zu fremden Kulturen öffnen und in welchen Lebensbereichen sich Fremdsprachen auf das spätere Leben auswirken können. Der Guardian beschreibt, welche Möglichkeiten es gibt, Schüler für Fremdsprachen zu begeistern: www.guardian.co.uk/teacher-network

19 Oktober 2011

Projekt LiMA: Mehrsprachigkeit positiv für geistige Entwicklung

Laut Daten des Statistischen Bundesamtes lebten im Jahr 2006 15,1 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Hamburg, das „Tor zur Welt“, ist seit jeher Anziehungspunkt für Menschen aus der ganzen Welt. Allein an Hamburger Schulen werden beinahe 200 verschiedene Sprachen gesprochen. Grund genug für Professorin Ingrid Gogolin von der Universität Hamburg das Projekt LiMA ins Leben zu rufen. LiMA steht für Linguistic Diversity Management in Urban Areas und ist ein interdisziplinäres Forschungsprojekt. Erziehungswissenschaftler, Sprachwissenschaftler, Psychologen, Rechtswissenschaftler, Wirtschaftswissenschaftler sowie Stadtplaner erforschen gemeinsam den Umgang mit vielfältigen Sprachen in Großstädten. Ziel ist es, die sprachliche Vielfalt in Großstädten zu erhalten und die Talente von mehrsprachigen Menschen zu fördern. Dafür untersuchen die Wissenschaftler die Sprachentwicklung in Familien, im Freundeskreis, in der Schule sowie beim Übergang in den Beruf. Aus den langjährigen Beobachtungen leiten sie anschließend Empfehlungen ab, wie ideale Strukturen und Bedingungen in Großstädten aussehen müssen, damit sich alle Menschen - gleich welcher nationalen Herkunft und Sprache – wohlfühlen und wie Verantwortliche in Politik und Verwaltung diese Bedingungen umsetzen können.

Warum sollte der sprachlichen Vielfalt eigentlich Rechnung getragen werden? Erziehungswissenschaftlerin Prof. Ingrid Gogolin verweist hier insbesondere auf die positiven Wirkungen bei der kognitiven Entwicklung von Kindern. Mehrsprachlichkeit trainiert, Entscheidungen zu treffen: Mit wem kann ich welche Sprache benutzen? Welches Wort gehört zu welcher Sprache? Allerdings dürfe der Nachteil der Mehrsprachigkeit nicht außer Acht gelassen werden. Denn wissenschaftlich belegt ist, dass mehrsprachige Menschen in jeder einzelnen Sprache einen geringeren Wortschatz entwickeln als Einsprachige. Bei der sprachlichen Schulbildung empfiehlt die Projektleiterin, dass alle Kinder, unabhängig von ihrer sprachlichen Herkunft, insbesondere in Deutsch und Englisch gefördert werden sollten.

Wie die aus den Untersuchungsergebnissen abgeleiteten Empfehlungen umgesetzt werden können, erproben die Mitarbeiter des Projekts in Zusammenarbeit mit den LiMA-Laborschulen 'LiMA-LabS' und der Bildungsbehörde vor Ort. Wissenschaftler und Lehrkräfte arbeiten gemeinsam an Praktiken, die für die Sprachförderung besonders geeignet sind.

Mehr zum LiMA-Projekt: www.lima-lama.uni-hamburg.de

04 Oktober 2011

Lesetipp: Mehrsprachigkeit hoch im Kurs

Mehrsprachige Erziehung ist keine Seltenheit mehr. Laut des deutschen Bildungsberichts "Bildung in Deutschland 2010" (PDF) besaßen im Jahr 2010 bis zu 72 Prozent der Kleinkinder in deutschen Ballungsräumen einen Migrationshintergrund. Doch was für Schwierigkeiten sind mit einer mehrsprachlichen Erziehung verbunden? Was müssen Eltern dabei beachten? Ab welchem Alter sollte mehrsprachliche Erziehung idealerweis beginnen? Sind bestimmte Sprachkombinationen leichter zu erlernen als andere? Janet Grijzenhout, Professorin für anglistische Sprachwissenschaft und Leiterin des Babysprachlabors an der Universität Konstanz beantwortete die wichtigsten Fragen zum Thema mehrsprachige Erziehung. Unter www.suedkurier.de/ratgeber/familie gibt sie zudem interessante Einblicke in die aktuellen Trends und Forschungsergebnisse rund um das Thema frühkindliche Erziehung.

26 September 2011

Zehnter Europäischer Tag der Sprachen

Am heutigen 26. September jährt sich der Tag der Sprachen zum zehnten Mal. Mit dem Europäischen Tag der Sprachen soll für das Sprachenlernen geworben und die Sprachenvielfalt Europas gefeiert werden, die von den 23 EU-Amtssprachen über ein breites Spektrum an zweiten Amtssprachen, Regional- und Minderheitensprachen bis hin zu zahlreichen Dialekten reicht. Die EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend Androulla Vassiliou wird gemeinsam mit dem Generalsekretär des Europarates, Thorbjørn Jagland, eine Erklärung unterzeichnen, die das Bekenntnis zur Mehrsprachigkeit bekräftigen soll. Der polnische Ratsvorsitz der EU hat das Sprachenlernen zu einer Priorität auserkoren und will erreichen, dass junge Menschen neben ihrer Muttersprache zwei Fremdsprachen beherrschen, damit sie ihre privaten und beruflichen Ziele besser verfolgen können.

In Berlin finden die so genannten "Sprachenbäder" statt. Das sind Minisprachkurse in zwanzig Bezirksbibliotheken und der Zentral- und Landesbibliothek, die bei Berliner Grundschülern das Interesse für fremde Sprachen wecken sollen. Außerdem lädt die Vertretung der EU-Kommission am Abend zu einer Podiumsdiskussion zu Spracherwerb und gelungener Integration ein. Auf dem Podium diskutieren Pascale Hugues, französische Journalistin, Antonia Steinkopff Vella, italienische Sprecherin im Berliner Netzwerk für Lehrkräfte mit Migrationshintergrund, Stéphane Ghislain Roussel, französischsprachiger belgischer Künstler und Panagiotis Kouparanis, griechischer Rundfunkjournalist. Musikalisch umrahmt wird der Abend von der italienischen Sängerin Eva Spagna und ihrer Band „e la luna?“.

Mehr zu den Sprachenbädern und der Podiumsdiskussion hier.

Europaweit finden heute verschiedene Veranstaltungen statt. Eine Übersicht gibt es hier:

12 September 2011

Übersetzungswettbewerb Juvenes Translatores 2011

Zum 5. Mal findet diesjährig der Übersetzungswettbewerb "Juvenes Translatores" der Europäischen Kommission statt. Im Wettbewerb sollen 17-jährige Schülerinnen und Schüler aus weiterführenden Schulen aus der gesamten Europäischen Union ihre Übersetzerfähigkeiten unter Beweis stellen, indem sie einen Text aus einer der 23 EU-Amtssprachen in eine andere übersetzen. Dabei können die Jugendliche die Sprachen frei wählen. Angesichts des Europäischen Jahres der Freiwilligentätigkeit beschäftigen sich die Texten inhaltlich mit dem Thema der Freiwilligenarbeit. Schulen können sich noch bis zum 20. Oktober unter Juvenes Translatores anmelden: ec.europa.eu/translatores

Jedes EU-Land geht mit mehreren Übersetzerteams ins Rennen. Das Team mit der besten Übersetzung pro EU-Land wird in der ersten Jahreshälfte 2012 ausgezeichnet. Die Gewinnerteams fahren hierzu gemeinsam nach Brüssel, wo die Preisverleihung stattfindet. Vor Ort haben sie zudem die Möglichkeit die für Mehrsprachigkeit zuständige EU-Kommissarin zu treffen sowie Einblicke in den Beruf der professionellen EU-Übersetzerinnen und -übersetzer zu gewinnen.

Bei Fragen zum Wettbewerb können Sich Interessierte auch direkt an Juvenes Translatores 2011 wenden: DGT-TRANSLATORES@ec.europa.eu

22 August 2011

Lesetipp: Sprachenvielfalt in Nigeria

Nigeria verfügt über eine große Sprachenvielfalt. Die insgesamt 140 Millionen Einwohner gehören etwa 250 unterschiedlichen ethnischen Gruppierungen und Stämmen an. Die offizielle Amtssprache ist Englisch, zudem sprechen die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und Ethnien jeweils ihre eigene Sprache. Welche Sprachen in welchen Landesteilen gesprochen werden, wie sich die unterschiedlichen ethnischen Gruppen im Land verteilen und einiges mehr, können interessierte Leser unter www.kas.de/nigeria erfahren. Im Rahmen des Kleinen Wörterbuchs Nigerianischer Sprachen werden unter anderem die Hauptsprachen Englisch, Hausa-Fulani, die Yoruba und die Igbo vorgestellt. Die Übersetzungen von wichtigen Alltagswörtern aus dem Deutschen ins Englisch, Hausa, Yoruba und Igbo vermitteln den Lesern einen ersten Eindruck von der Unterschiedlichkeit der Hauptsprachen. Wer darüberhinaus mehr erfahren möchte, findet zudem interessante Hinweise und Links zur Vertiefung.

Podiumsdiskussion zum Thema Frühe Mehrsprachigkeit: 21. September Waiblingen

Warum soll mein Kind eine fremde Sprache lernen? In welchem Alter sollte man starten? Wie wichtig ist eigentlich Mehrsprachigkeit bei Kindern? Vier Experten diskutieren auf der Podiumsdiskussion am 21.September 2011 in Waiblingen über die Vor- und Nachteile der Mehrsprachigkeit bei Kindern.

Die Podiumsdiskussion findet im Rahmen von Piccolingo, einer Informationskampagne der Europäischen Kommission statt, die für das frühe Fremdsprachenlernen von Kindern im Alter von null bis sechs Jahren wirbt. Hierzu tourte Piccolingo im Sommer 2010 und 2011 mit unterschiedlichen Aktionen zum Thema Sprachen bei Kindern durch verschiedene europäische Städte. Zudem entstand mit http://piccolingo.europa.eu eine Internetplattform, die zahlreiche Informationen zum Thema des frühkindlichen Sprachenerwerbs bereitstellt.

Die Podiumsdiskussion steht allen Interessierten offen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Titel: Frühe Mehrsprachigkeit
Wann: 21.09.2011 um 19:30 Uhr
Wo: Forum Mitte, Blumenstr. 11, 71334 Waiblingen
Ansprechpartnerin:
Regine Bah vom Kindersprachcenter Lollipop, Waiblingen, Tel. +49 (0)711/58 48 82

19 August 2011

Sprachen und Beruf: Konferenzprogramm Online

Die Rolle von Fremdsprachen und interkultureller Kompetenzen für den internationalen Arbeitsmarkt stehen im Fokus der Fachkonferenz Sprachen und Beruf. Die 10. Konferenz für Fremdsprachen und Business Kommunikation in der internationalen Wirtschaft findet vom 26. bis 28. Oktober erstmals in Berlin statt. Auf der Agenda des jährlichen Expertentreffs asstehen das Sprachenlernen mit neuen Medien, Kommunikationsstrategien sowie Interkulturelles Training und Management.

Als Keynote-Redner für die Auftaktveranstaltung am 27. Oktober konnten Russell Stannard, bekannt für seine Online-Videos, mit denen er Lehrern und Trainern Web 2.0 Tools näher bringt, sowie Kathryn Board, Vorsitzende vom Nationalen Zentrum für Sprachen in Großbritannien (CILT). In Expertenrunden und Workshops werden Themen wie Strategien zur Mehrsprachigkeit in Unternehmen, Qualität von Fremdsprachen- und Interkulturellem Training sowie innovative Lerntechnologien präsentiert.

Bei der Podiumsdiskussion "Are languages barriers or bridges to the international labour market?" wird am 27. Oktober die Internationalisierung des Arbeitsmarkts und die damit zusammenhängende Integration von fremdsprachigen Fachkräften in den Fokus genommen und dabei Folgen, Chancen und Herausforderungen für Unternehmen, Arbeitnehmer und Trainer diskutiert.

Erste Interviews mit den Konferenz-Rednern sowie das ausführliche Programm auf der Konferenz-Website: www.sprachen-beruf.com

28 Juli 2011

Studie: Erwachsene besser in der Lage neue Sprachen zu lernen als gedacht

Lernen Kinder oder Erwachsene eine fremde Sprache besser? Dieser Frage gingen israelische Forscher der Universitäten Tel Aviv und Haifa in einer Studie zum Thema Spracherwerb auf den Grund und präsentierten ihre Ergebnisse auf dem International Congress for the Study of Child Language in Montreal. Auf dem ersten Blick wirkt das Ergebnis der Studie überraschend: Unter kontrollierten Bedingungen können Erwachsene Regelmäßigkeiten in der Sprache schneller erkennen und anwenden als Kinder.

Für die Untersuchung wurden Testpersonen von acht und zwölf Jahren sowie Erwachsene verschiedenen Alters ausgewählt und mit einer ausgedachten Sprachregel konfrontiert. Die Sprachregel verlangte, dass Verben, die sich auf lebendes Objekt beziehen, anders geschrieben und ausgesprochen werden sollten, als Verben, die sich auf ein lebloses Objekt beziehen. Anschließend wurden den Testpersonen verschiedene Verben mit dem entsprechenden Bezugswort vorgespielt. Die Testpersonen sollten dann bei anderen Bezugswörtern die Verben ergänzen. Die Auswertung der Testergebnisse ergab, dass die Erwachsenen bei dem Sprachtest wesentlich besser abschnitten als die jüngeren Testpersonen. Ein Wiederholungstest kam zum gleichen Ergebnis.

Steht das Ergebnis der Studie im Widerspruch zu der vorherrschenden Ansicht, dass Kinder wesentlich besser in der Lage sind, Fremdsprachen zu erlernen? Zwar lässt die Studie darauf schließen, dass Erwachsene leichter Sprachen lernen. Dies hängt jedoch damit zusammen, dass sie Zusammenhänge schneller erschließen können und besser in der Lage sind, Beispiele zu analysieren und Verknüpfungen herzustellen oder in diesem Fall eine neue Sprachregel anzuwenden. In der Praxis jedoch lernen Kinder Sprachen in der Regel trotzdem schneller, da sie anders an die Sprachen herangehen, betont die Studienleiterin Sara Ferman, Universität von Tel Aviv, laut dem Wissenschaftsmagazin New Scientist. Auch Robert DeKeyser von der University of Maryland in den USA warnt davor, Experimente unter künstlichen Bedingungen wie dieses auf die Realität zu übertragen.

Weitere Informationen zur Studie auf News Scientist: www.newscientist.com/article/mg21128224.000-age-no-excuse-for-failing-to-learn-a-new-language.html

Eine Zusammenfassung der Studie unter: www.mendeley.com/research/childhood-advantage-acquisition-skill-using-artificial-language-rule/

22 Juli 2011

Internationale Sprachenmesse Expolingua im Oktober in Berlin

Berlin. Vom 28. bis 30. Oktober bietet die Expolingua Berlin ein vielfältiges Angebot rund um Fremdsprachenlernen und -lehren. Etwa 200 Aussteller aus 30 Ländern stellen sich auf Deutschlands führender Messe für Sprachen und Kulturen vor. Veranstaltungsort der Expolingua ist das Russische Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin-Mitte.

Aussteller der Sprachenmesse sind Sprachschulen aus dem In- und Ausland, Sprachreiseveranstalter und Austauschorganisationen sowie Botschaften und Kulturinstitute. Zusätzlich steht ein umfangreiches Vortragsprogramm allen Besuchern offen. Experten informieren hier zu Sprachtests, Qualitätskriterien, Sprachunterricht, Lernmethoden, Austauschprogrammen sowie Fremdsprachenberufen. Fremde Sprachen können direkt in Minisprachkursen getestet werden.

Weitere Informationen zur Expolingua Berlin gibt es im Internet unter:
www.expolingua.com

29 Juni 2011

Bilingualität: Für das Gehirn kein Problem

Wie können Menschen, die zwei oder mehrere Sprachen sprechen, zwischen diesen hin und her „switchen“? Immerhin besitzt jede Sprache, die ein Mensch fließend spricht, knapp 30 000 Wörter. Demnach müssten die Anstrengungen des Gehirns höher sein, unter den Tausenden von zusätzlichen Wörtern das richtige Wort in der richtigen Sprache zu wählen.

Eine neue psycholinguistische Studie der Universität Kansas beweist das Gegenteil: Das Gehirn trifft die Auswahl von Wörtern in den jeweils gesprochenen Sprachen scheinbar mühelos. Der Forscher Mike Vitevitch verdeutlicht die Arbeit des Gehirns anhand eines bildlichen Beispiels: Man stelle sich das menschliche Gehirn als einen Kühlschrank vor und die verschiedenen Sprachen als Äpfel und Orangen. Wenn ich Appetit auf einen Apfel habe, würde niemand auf die Idee kommen, jedes Obst im Kühlschrank zu nehmen, um zu sehen, ob es ein Apfel ist. Je nachdem, welches Obst ich essen möchte, wähle ich in einem ersten Schritt zunächst die richtige Obstsorte und picke mir innerhalb dieser meinen Favoriten aus. Ab und an kann es passieren, dass ich fälschlicherweise eine grünliche Orange für einen Apfel halte und eine falsche Wahl treffe.

Nichts anderes passiert nach Vitevitch im menschlichen Gehirn, wenn ihm verschiedene Sprachen zur Auswahl stehen. Je nachdem, welche Sprache gerade benötigt wird, wählt das Gehirn diese in einem ersten Schritt aus und sucht in einem zweiten Schritt innerhalb der gewählten Sprache nach dem gewünschten Wort. Bei der richtigen Sprachauswahl können gelegentlich „Fehlgriffe“ auftreten.

Bilingualität ist für das Gehirn somit gar kein Problem. Ein Grund mehr Fremdsprachen zu erlernen.

Zum Original in der Science Daily

Offene Menschen sind talentiertere Aussprachekünstler

Die fehlerfreie Aussprache - die Kür beim Erlernen jeder Fremdsprache: Einige beherrschen die korrekte Aussprache einer fremden Sprache bereits nach kurzer Zeit, ohne jemals in dem entsprechenden Land gewesen zu sein. Andere wiederum leben jahrelang in einem Land, ohne den Akzent ihrer Muttersprache abzulegen. Sprachtalent ist somit nicht gleich Aussprachetalent. Welche Faktoren für die korrekte Aussprache ausschlaggebend sind, untersuchten Dr. Matthias Jilka und Prof. Alexiadou Artemis vom Institut für Linguistik/Anglistik gemeinsamen mit dem Lehrstuhl für Experimentelle Phonetik, der Universität Stuttgart, in Zusammenarbeit mit der Abteilung Neuroradiologie der Universität Tübingen.

Jilka und seine Kollegen erforschten in einem Experiment das Aussprachetalent von 102 deutschen Muttersprachlern. Die Versuchspersonen hatten die Aufgabe, eine Bildergeschichte in Englisch nacherzählen sowie einen englischen Text mit angelsächsischen Akzent vorlesen. Zur Kontrolle wiederholten die Forscher das Experiment anschließend mit der Sprache Hindi, die kein Teilnehmer beherrschte. Vor der Durchführung, wurden Informationen unter anderem zur Persönlichkeit, Sprachkenntnissen sowie kognitiven Fähigkeiten mittels eines Fragebogens erfasst.

Die Auswertung der Ergebnisse ergab, dass insbesondere offene und empathiefähige Menschen talentierte Aussprachekünstler sind. Bei dieser Teilnehmergruppe waren weniger Hirnareale aktiv, sprachliche Aufgaben waren mit weniger Anstrengung verbunden. Daher plädiert Jilka dafür, auch das Erlernen von Sprachmelodien in den Fremdsprachenunterricht zu integrieren.

Weitere Informationen zur Studie unter: www.uni-stuttgart.de

22 Februar 2011

Sprachen & Beruf 2011 in Berlin: Vortragseinreichung bis 28. April

Mit ihrer zehnten Auflage schlägt die Fachkonferenz ein neues Kapitel ihrer Geschichte auf. Die Sprachen & Beruf, Konferenz für Fremdsprachen und Business Kommunikation, wird in diesem Jahr vom 26. bis 28. Oktober erstmals in Berlin stattfinden. Auf der Veranstaltung dreht sich alles um das Zusammenspiel von Fremdsprachen, interkultureller Kommunikation und erfolgreichem internationalem Handeln.

2011 stehen Themen wie Internationale Kommunikation und interkulturelles Training, Sprachenlernen mit neuen Medien, Qualitätssicherung und Controlling, Bildungsprogramme und –initiativen sowie Neue Leitbilder für Trainer und Coaches auf der Agenda. Interessierte, die selbst einen Vortrag oder einen Workshop halten möchten, können bis zum 28. April einen Vorschlag einreichen.

Die Sprachen & Beruf richtet sich insbesondere an Personalverantwortliche in Unternehmen und Institutionen, Trainer und HR-Manager.

Mehr zur Konferenz

Europäisches Sprachensiegel 2011: "Sprachenlernen in der Gemeinschaft"

Der diesjährige Wettbewerb zum Europäischen Sprachensiegel steht unter dem Motto „Sprachenlernen in der Gemeinschaft - Ressourcen nutzen und Kompetenzen ausbauen“. „Die Themen der Wettbewerbe spiegeln verschiedene Bereiche, die sprachenpolitisch in Europa bedeutsam sind“, so Cora Oepen vom Pädagogischen Austauschdienst (PAD) der Kultusministerkonferenz. „Hauptziel ist nach wie vor, dass EU-Bürger neben ihrer Muttersprache Kenntnisse in zwei weiteren Fremdsprachen erwerben. So ging es beim Europäischen Sprachensiegel in den letzten Jahren unter anderem um das frühe Fremdsprachenlernen, das Integrierte Inhalts- und Sprachenlernen (CLIL), den Interkulturellen Dialog oder – im vergangenen Jahr – Sprachenlernen in Vorbereitung auf das Berufsleben.“

Bis zum 9. Mai 2011 können Projektbewerbungen eingereicht werden. Oepen findet diejenigen Initiativen beeindruckend, „die trotz ihres oft begrenzten Budgets und Personaleinsatzes originelle Konzepte für das Vermitteln von Sprachen auf verschiedenen Ebenen entwickelt und umgesetzt haben. Besonders freue ich mich auch immer über Projekte, die sich für die Vermittlung der Sprache unserer Nachbarn einsetzen und so den Brückenschlag in einen anderen Staat unterstützen.“

Das Sprachensiegel zeichnet Projekte und Initiativen aus, die in ihrem Umfeld das Lernen und Lehren von Sprachen auf originelle und kreative Weise unterstützen. „Sie dienen als Beispiele guter Praxis und sollen dazu anregen, ein ähnliches Projekt z.B. entweder in einer anderen Region, für eine andere Zielgruppe oder für eine weitere Zielsprache ins Leben zu rufen“, beschreibt Oepen das übergreifende Ziel des Sprachensiegels.

Insgesamt können bis zu 15 Sprachensiegel vergeben werden. Die Europäischen Sprachensiegel werden im Rahmen einer Fachtagung im Herbst 2011 in Wien, Österreich verliehen. Bei der Verleihung kooperieren die Nationalen Agenturen von Österreich der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens sowie die Nationale Agentur im Pädagogischen Austauschdienst.

Zur Ausschreibung des Wettbewerbs: www.kmk-pad.org

21 Februar 2011

Internationaler Tag der Muttersprache

Am heutigen 21. Februar möchte die UNESCO mit dem Internationalen Tag der Muttersprache an die sprachliche Vielfalt erinnern. Im Jahr 2000 wurde der Tag ins Leben gerufen hat, um „ein Bewusstsein für die Wichtigkeit kultureller und sprachlicher Vielfalt zu wecken“. Besonders die weltweit bedrohten Sprachen sollen dabei im Mittelpunkt stehen. In der 2010 aktualisierten Ausgabe des "Atlas der Bedrohten Sprachen" listet die UNESCO rund 2 500 Sprachen nach Name, Bedrohungsgrad und Region – darunter sind auch 230 Sprachen, die seit 1950 verschwunden sind.

Über die Idee des Internationalen Tags der Muttersprache sprach die SprachenNetz-Redaktion mit Mauro Rosi, Programmspezialist UNESCO.

Herr Rosi, welche Idee steht hinter dem internationalen Tag der Muttersprache und wie wird er gefeiert?
Mit diesem besonderen Tag möchten wir international die Muttersprache eines jeden, also die etwa 6 000 Sprachen der Welt feiern. Darüberhinaus soll ihre Koexistenz sowie die sprachliche und kulturelle Vielfalt zelebriert werden. Wir geben sozusagen einen Rahmen vor und jeder kann diesen Tag nach seinen Möglichkeiten, Ideen und Ressourcen begehen – weltweit. Sei es eine Bibliothek, die ihre sprachliche Vielfalt vorstellt oder eine Konferenz zu aussterbenden Sprachen. Es gibt viele Themen wie Übersetzen und Dolmetschen, Lehren und Lernen usw. welche mit dem Tag in Verbindung gebracht werden können. Die UNESCO selbst begeht den Tag mit einer Veranstaltung in Paris zum Thema "Schutz der Sprachenvielfalt durch Kommunikationsmedien".

Wie kann Technik die sprachliche Vielfalt unterstützen und wo sehen Sie Vorteile?

Sie werden kaum ein Projekt bezogen auf Sprachen, Mehrsprachigkeit und sprachliche Vielfalt finden, das ohne Technologien auskommt. Beispielsweise der Atlas der aussterbenden Sprachen basiert auf einer Datenbank. Wenn Sie sich anschauen, wie Sprachen gelehrt und gelernt werden, finden Sie häufig technische Einflüsse.
Ich bin nahezu 50 Jahre alt und habe Kinder um die 20. Das sind zwei unterschiedliche Lerngenerationen: In den 70er in Rom – wo ich mich zu der Zeit befand- war es schwierig englischsprachige Programme im Fernsehen zu sehen oder im Radio zu hören. Heutzutage ist es so einfach, sich mp3 Dateien herunterzuladen und sie im Alltag zu nutzen. Es ist unglaublich, wie klassische Methoden von Technologien profitieren können.

Wie lernen Sie persönlich Sprachen?

Im Moment lerne ich Deutsch. Manchmal höre ich deutsche Sendungen im Radio, meistens lade ich mir jedoch eine Sendung auf mein Smartphone und lerne dann beim Laufen, auf dem Weg zur Arbeit oder beim Kochen. Persisch und Russisch beginne ich auch so zu lernen.

Herr Rosi, vielen Dank für das Interview
(Das Interview wurde in Englisch geführt und von Juliane Walter ins Deutsche übertragen)

20 Dezember 2010

EXPOLINGUA Berlin erfolgreich beendet

Vom 19. bis 21. November informierten sich insgesamt 13 086 Besucher im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur zum Thema Sprachen lernen und lehren auf der diesjährigen Expolingua Berlin. 182 Aussteller aus 26 Ländern präsentierten ihre Angebote, darunter Sprachschulen aus dem In- und Ausland, Sprachreiseveranstalter, Austauschorganisationen, Kulturinstitute und Verlage. Chinesisch war in diesem Jahr Gastsprache der Messe.

Die nächste Expolingua Berlin findet vom 28. bis 30. Oktober 2011 erneut im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin statt. Die Sprachen & Beruf (www.sprachen-beruf.com), internationale Konferenz für Fremdsprachen & Business Kommunikation, wird zu ihrem zehnjährigen Jubiläum erstmals in der Hauptstadt veranstaltet und findet im Vorfeld der Expolingua statt. Vom 26. bis 28. Oktober 2011 zeigen Praktiker, wie Mitarbeiter im Unternehmen lernen, erfolgreich mit internationalen Partnern kommunizieren können und welche Qualifikationen Fremdsprachentrainer heute benötigen, um diese Fähigkeiten optimal zu vermitteln.